Migrationssensible Beratung
Menschen mit Migrationserfahrung bringen unterschiedliche Lebensrealitäten, Ressourcen und Erfahrungen mit. Diese können Beratungssituationen beeinflussen - müssen es aber nicht. Migrationssensible Beratung bedeutet, mögliche Barrieren und Benachteiligungen wahrzunehmen und dort zu berücksichtigen, wo sie für die individuelle Situation relevant sind. Ziel ist eine chancengerechte und zugängliche Beratung.
Sprachliche Barrieren
Eine gemeinsame Kommunikationsbasis ist eine wichtige Voraussetzung für Beratung. Dabei können bereits einfache Maßnahmen helfen:
- ausreichend Zeit für Verständigung einplanen,
- prüfen, ob eine gemeinsame Sprache vorhanden ist,
- einfache, aber korrekte Sprache verwenden,
- Mimik, Gestik und Visualisierungen einsetzen,
- zentrale Inhalte mit eigenen Worten wiederholen,
- bei Bedarf professionelle Sprachmittlung oder geeignete technische Hilfsmittel nutzen,
- bei schriftlicher und digitaler Kommunikation Datenschutz und digitale Kompetenzen berücksichtigen.
Vermieden werden sollte, Ratsuchende grundsätzlich selbst eine Person zum Übersetzen organisieren zu lassen. Insbesondere Kinder sollten nicht als Sprachmittelnde eingesetzt werden.
Wenn Systemwissen fehlt
Staatliche Strukturen, soziale Sicherungssysteme, Mobilität oder gesellschaftliche Regeln können sich international stark unterscheiden. Was Fachkräften selbstverständlich erscheint, ist für Ratsuchende deshalb möglicherweise neu.
Hilfreich ist es, vermeintlich Selbstverständliches bei Bedarf zu erklären und Unterschiede zunächst wertfrei zu betrachten. Eine mögliche Reflexionsfrage lautet: Was würde mir helfen, wenn ich mich selbstständig in einem mir unbekannten gesellschaftlichen System orientieren müsste?
Unterschiedliche Bildungserfahrungen mitdenken
Auch Bildungssysteme und Bildungszugänge unterscheiden sich. Fehlende Erfahrung mit formalisiertem Lernen, geringe Literalität oder geringe digitale Kompetenzen können übliche Beratungs- und Informationswege erschweren.
Dann kann es sinnvoll sein, andere Zugänge zu entwickeln, Informationen zu visualisieren, Scham zu vermeiden und Menschen zu ermutigen, vorhandene Hilfsangebote anzunehmen.
Elternarbeit: Kommunikationswege überprüfen
Gerade in der Zusammenarbeit mit Eltern lohnt sich der Blick auf bestehende Kommunikationswege: Sind Informationen tatsächlich verständlich und erreichbar? Welche Alternativen gibt es, wenn ein bisheriger Weg nicht funktioniert?
Dabei gibt es kein Patentrezept. Entscheidend ist die jeweilige individuelle Situation. Auch in der Elternarbeit sollte Übersetzung oder Vermittlung durch Kinder vermieden werden.
Nicht nur die einzelne Fachkraft ist gefragt
Migrationssensible Beratung ist auch eine institutionelle Aufgabe. Einrichtungen können Zugangsbarrieren beispielsweise abbauen, indem sie mehrsprachige Informationen und digitale Angebote bereitstellen, bürokratische Hürden und Diskriminierungsrisiken überprüfen, Mitarbeitende qualifizieren und vorhandene Mehrsprachigkeit und Vielfalt im Team nutzen.
Beratung und Unterstützung im Landkreis
Für Ratsuchende und Fachkräfte bündelt das Familienportal verschiedene Beratungs- und Unterstützungsangebote im Landkreis München. Die Übersichtsseite zu Beratungsstellen für Menschen mit Migrations- und Fluchterfahrung führt aktuelle Migrations- und Integrationsberatungsstellen sowie weitere Ansprechpersonen zusammen.
Für junge Menschen zwischen 12 und 27 Jahren gibt es mit den Jugendmigrationsdiensten ein eigenes Beratungsangebot. Ergänzend bietet Integreat mehrsprachige, regelmäßig aktualisierte Informationen unter anderem zu Sprache, Bildung, Arbeit, Alltag und Angeboten im Landkreis.
Weiterführende Informationen
Beratungsstellen für Menschen mit Migrations- und Fluchterfahrung im Familienportal
Integreat - mehrsprachige Informationen für Zugewanderte
Alle Einrichtungen im Bereich Migration und Integration
Dokumentation der Lunchbag-Sessions des Bildungsbüros
Der Beitrag greift Inhalte der Lunchbag-Session „Migrationssensible Beratung in der Praxis“ auf und bereitet sie für den Fachkräftebereich des Familienportals auf.
Redaktioneller Hinweis - nicht zur Veröffentlichung
Die Beratungslandschaft im Bereich Integration befindet sich derzeit in einer größeren Umstrukturierung. Der Abschnitt „Beratung und Unterstützung im Landkreis“ ist deshalb bewusst struktur- und trägerübergreifend formuliert und verweist vor allem auf dynamisch gepflegte Übersichtsseiten im Familienportal. Sobald das neue flexible Beratungskonzept verbindlich feststeht und öffentlich kommuniziert werden kann, diesen Abschnitt sowie die Verlinkungen erneut prüfen und gegebenenfalls ergänzen.